Lieferungen ins Drittland

Lieferungen in die USA, Schweiz und co

Wir werden oft gefragt, wann eine Ausfuhrlieferung tatsächlich umsatzsteuerfrei ist.

Sobald Waren z.B. über den eigenen Webshop oder elektronische Marktplätze verkauft werden, unterliegen diese vom Grundsatz her zuerst der Umsatzsteuer.

Unter gewissen Umständen kann eine Lieferung aber umsatzsteuerfrei sein.
Man sagt dann diese ist umsatzsteuerbar, aber umsatzsteuerfrei.
(Systematik der Umsatzsteuer)

Eine Lieferung kann dann umsatzsteuerfrei sein wenn Sie zu den so genannten „Ausfuhrlieferungen“ gehört. Wir wollen in den folgenden Zeilen nun auf die wichtigsten Voraussetzungen eingehen.

Die Ausfuhrlieferung

Das Steuerrecht spricht vom sog. „Drittland“. Die Definition hierfür ist einfach: das sind alle Länder, die nicht zur EU gehören.
Hier einmal die Wichtigsten im Überblick:
– Schweiz und USA
– Aber es gelten auch Helgoland, an Dora, Gibraltar,
und der Vatikan als Drittland.

Wichtig:
nach erfolgtem Brexit gehört wahrscheinlich auch
Großbritannien zu diesen Staaten!

Sobald nun in das Drittland eine Lieferung gelangt,
ist sie vom Grundsatz her steuerbar aber umsatzsteuerfrei!
Hierbei ist es uninteressant, ob der Leistungsempfänger ein
Unternehmer oder eine Privatperson ist!
(Innerhalb der EU wird hier bei „innergemeinschaftlichen Lieferungen
unterschieden! Nicht bei der Ausfuhrlieferung)


Welche Voraussetzungen
gelten hier: 

Grundsätzlich sollte man sich merken, dass sobald man einen Umsatz steuerfrei stellt, gelten grundsätzlich umfassende Nachweispflichten. Kann man anhand von Belegen und Aufzeichnung nämlich nicht beweisen, dass eine Lieferung auch wirklich (tatsächlich) in das „Drittland“ gelangt ist, wird die reguläre Umsatzsteuer fällig!

  • Das Finanzamt erwartet hier folgende Nachweise:
    Belegnachweis und Buchnachweis


Der Belegnachweis:

Der Beleg für eine Ausfuhr ist der wichtigste Beweis für eine Ausfuhrlieferung.
Hier handelt es sich normalerweise um ein Dokument, dass in verschiedenen Formen vorliegen kann:

Zum Beispiel kann ein Logistikdienstleister das elektronische Ausfuhrverfahren des Zolls „Atlas“ abwickeln.

Atlas Ausgangsnachweis: 

Hier gibt es eine Faustregel:
sobald der Warenwert über 1000 € oder das Gewicht über 1000 kg liegt, ist das Atlas – Verfahren verpflichtend.
In diesen Fällen ist die Beweisführung auch einfach:
man erhält von dem Logistikdienstleister einen Ausgangsvermerk.
Hier ist es wichtig, dass man keinen „vorläufigen Ausgangsvermerk“ erhält, sondern einen endgültigen!

Hier findet ihr ein Muster: (Seite 5)
https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Downloads/BMF_Schreiben/Steuerarten/Umsatzsteuer/Umsatzsteuer-Anwendungserlass/2015-01-23-umsatzsteuerbefreiung-ausfuhrlieferungen-anerkennung-der-ausgangsvermerke-im-IT-Verfahren-ATLAS-ausfuhrnachweis-umsatzsteuerzwecke.pdf?__blob=publicationFile&v=1

Wichtig ist die MRN Nummer, da diese über die Website der EU Kommission eindeutig nach verfolgt werden kann.


Kein Atlas,
andere Ausgangsvermerke:

Da die Wertgrenze (1000 €) und Gewichtsgrenze 1000 kg)
oftmals nicht überschritten wird, kommt Atlas seltener zum Einsatz.
Alternativ kann folgendes Medium herangezogen werden:

Der Frachtbrief oder der Einlieferungsschein

Hier ist es elementar wichtig, dass die Belege vollständig und richtig ausgefüllt sind. Sobald sich das Zielland nicht ergibt, kann dies natürlich nicht mehr als Beweis für eine Ausfuhrlieferung herangezogen werden.
Alternativ hierzu kann natürlich der Logistiker einen eigenen Beleg ausstellen.
Dieser braucht aber folgende Angaben:

  • Name und Anschrift des mit der Beförderung beauftragten Unternehmens sowie das Ausstellungsdatum
  • Name und Anschrift des liefern den Unternehmers und des Auftraggebers der Versendung
  • Menge und Art (handelsübliche Bezeichnung) des ausgeführten Gegenstands
  • Ort und Tag der Ausfuhr oder den Ort und den Tag der Versendung des ausgeführten Gegenstands in das Drittlandsgebiet
  • Empfänger des ausgeführten Gegenstands und Bestimmungsort im Drittlandsgebiet
  • Versicherung des mit der Beförderung beauftragten Unternehmers darüber, dass alle Angaben in Beleg auf der Grundlage von Geschäftsunterlagen gemacht wurden, die im Gemeinschaftsgebiet nachprüfbar sind
  • Unterschrift des mit der Beförderung beauftragten Unternehmens


Der Buchnachweis

Zusätzlich zum Belegnachweis ist der Buchnachweis zu führen.
Hierbei sind verpflichtend folgende Informationen schriftlich fest zu halten.

 

  • Name und Anschrift des Abnehmers oder Auftraggebers
  • Menge des Gegenstands der Lieferung sowie die handelsübliche Bezeichnung
  • Tag der Lieferung
  • Das Entgelt
  • Tag der Ausführung
  • Eventuell die MRN Nummer

Normalerweise müssen diese Information nicht zusätzlich schriftlich festgehalten werden. Diese ergeben sich im Normalfall aus dem Ausfuhrbeleg und der Rechnung. Aus diesem Grund kann empfohlen werden auch für Privatpersonen,
an die eine Ausfuhrlieferung geschickt werden soll, eine Rechnung auszustellen.

 

Nachprüfbarkeit:

Die beiden beschriebenen Nachweise müssen grundsätzlich für einen sachverständigen, aber außenstehenden Dritten leicht nachprüfbar sein.
Deshalb sollten diese Nachweise zusammen abgelegt werden.

„Leicht und eindeutig“ nachprüfbar bedeutet, dass die Ausfuhrbelege und Rechnungen mit einer Registrierungsnummer verzahnt werden sollten, damit man später eine klare Zuordnung treffen kann. Natürlich sind auch andere Methoden denkbar.

Der Bundesfinanzhof hat mit einem Urteil aus 2015 bestätigt, dass die Nachweise ausschließlich in Form von Belegen und Aufzeichnungen zu erbringen sind. Zeugenaussagen etc. reichen nicht aus


Betriebsprüfung und
Umsatzsteuersonderprüfung:

Wie oben beschrieben, geht es hier um eine Freistellung der Umsatzsteuer. Überall dort, wo Steuern freigestellt werden, schauen Prüfer genauer hin!
Ein schnelleres Mehrergebnis kann kaum erzielt werden, daher ist hier Vorsicht geboten. Bislang war daher ein Schwerpunkt stets den Buch- und Belegnachweise für Ausfuhrlieferung zu prüfen.

Sobald ein Prüfer feststellt, dass Flüchtigkeitsfehler vorliegen oder von der Systematik her falsch abgelegt wurde, wird eine Prüfung oft zeitlich ausgedehnt!

Eine Umsatzsteuer-Sonderprüfung die zwischen ein bis zwölf Monaten dauert, kann sich dann schnell auf die zurückliegenden vier Jahre ausdehnen.

Beispiel:

  • Jahresumsatz 500.000 €,
  • darin enthalten Lieferung in das Drittland in Höhe von 100.000 €.
  • Im Rahmen der Umsatzsteuer-Sonderprüfung ist das erste Quartal des Jahres betroffen, die Einlieferungsscheine wurden nicht fest abgelegt. Der Prüfer ist hier unzufrieden und dehnt die Prüfung auf vier Kalenderjahre aus

Der Prüfer stellt nun fest, dass alle vier Jahre gleich schlecht sortiert sind und die Umsatzsteuerfreistellungen werden rückwirkend gekippt!

Nun ergeben sich folgende Nachzahlungen:

15.966,39 € pro Jahr, in Summe für vier Jahre 63.865,55 €

Zudem werden die nachzuzahlenden Umsatzsteuern mit 6 % pro Kalenderjahr verzinst! Es kommen demnach noch circa 5.600 € Zinsen hinzu.

Insgesamt hat die mangelnde Dokumentation dem nach 69.465,55 € gekostet!
Bei steigendem Umsatz und steigenden Ausfuhrlieferungen wird das Risiko hier noch größer!

Meiner Meinung nach gehört die Umsatzsteuer Sonderprüfung zu den gefährlichsten Steuerprüfungen. Die Umsatzsteuer ist die wichtigste Einnahmequelle des Staates, daher wird hier Wert auf gesetzeskonforme Behandlung gelegt.


Was kann man tun:

Da der europäische Gerichtshofs und der Bundesfinanzhof entschieden haben, dass die oben beschriebenen Buch- und Belegnachweise keine materiel-lrechtlichen Voraussetzungen für die Steuerbefreiung von Ausfuhrlieferung sind, bedeutet das, dass die Nachweise grundsätzlich zu  führen sind.

Fehlt nur einer der Nachweise oder ist fehlerhaft, führt dies nicht zwangsläufig zu einer nachträglichen Steuerzahlung, wenn anhand von „objektiven Beweisen“ nachgewiesen werden kann dass die Ware ins Drittland gelangt ist.

Dies sollte im Einzelfall mit dem Steuerberater besprochen werden, da es nicht genau definiert ist was eine „objektive Beweislage“ ist. Hier ist der Einzelfall entscheidend.

In diesen Fällen sollte der Weg des Einspruchsverfahrens und zudem die Aussetzung der Vollziehung (AdV) für die nach zu zahlenden Steuern und Zinsen eingelegt werden. Wichtig hierbei: wenn das Einspruchsverfahren nicht gewonnen wird, wird der geschuldete Betrag zusätzlich mit 0,5 % pro Monat verzinst.


Fazit:

Der Beruf des Onlinehändlers ist sicher einer der attraktivsten „neumodischen“ Berufe. Schnelle und gute Skalierbarkeit, sowie örtliche Flexibilität zeichnen den Beruf aus und machen ihn äußerst attraktiv.

Man sollte sich nicht von steuerlichen Risiken abhalten lassen, jedoch sollte man die gesparten Kosten für Miete, Personal etc. dahingehend investieren, sich gut beraten zu lassen. Wie oben gezeigt, kann dies ansonsten sehr schnell sehr teuer werden.

Bei Rückfragen hierzu können Sie uns natürlich gerne
per Telefon (0208 / 98 99 22 22) oder
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Digitales Steuerbüro – Was ist das genau?

Wir werden oft gefragt, was genau der „Unterschied“
zwischen einer digitalen
und einer analogen Steuerberatungsgesellschaft ist.

Kurz und knapp:
Es gibt keinen Unterschied, nur eine Erweiterung!

Weiter unten im Artikel finden Sie auch
ausgesucht Videos über das Thema und einen virtuellen Rundgang

Wir haben die
– gleichen Berufsträger,
– gleichen Pflichten
– und ebenso wie die analogen Steuerberater bieten wir
feste Ansprechpartner und eine Niederlassung,
die man stets gerne besuchen kann!

Was uns unterscheidet?
Wir arbeiten seit Jahren mit digitalen Mandaten und haben uns deshalb auf diese spezialisiert.

Warum haben wir uns spezialisiert?
Wir haben eine Zeitlang sowohl analoge als auch digitale Mandate aufgenommen.
Schnell ist uns jedoch bewußt geworden, dass wir uns entscheiden müssen, denn:
digitale Mandate haben andere Ansprüche und
andere fachliche Herausforderungen, als die gewohnten analogen Mandate.

Unterschiede bei analogen und digitalen Mandanten?
Das analoge Mandat:
Das klassische analoge Mandat ist es gewohnt
– einmal im Monat mit einem Pendelordner zum Steuerberater zu kommen,
– einmal im Jahr zum Abschlusstermin zum Steuerberater zu gehen,
– seine Auswertungen wie Buchhaltungen, Löhne und Abschlüsse in Papier zu erhalten,
– steuerlich bereits lange eingespielt zu sein
(sowohl auf Mandatsseite als auch auf Steuerberaterseite).

Das digitale Mandat hingegen
– benutzt in seinem Alltag eigene Tools
(Lexoffice, FastBill, Sevdesk, Taxdoo, Payjoe, Unternehmen Online usw.)
– organisiert sich und sein Umfeld mit Emails (rein digital)
– muss durch Ticketsysteme organisiert werden, da es keine papierhaften „Memos“ gibt
– nutzt Messengersysteme
– ist es gewohnt im Internet schnell an Antworten und Benachrichtigungen zu kommen und fordert dies indirekt auch bei seinen Dienstleistern ein (Erwartungshaltung beachten)
– hat oftmals grenzübergreifende, fachliche Besonderheiten
(Reverse Charge, Lieferschwellen, MOSS Verfahren usw.)
– geht selten bis NIE zum Steuerberater (weder monatlich für die Buchhaltung noch für den Jahresabschluss)
– nutzt gerne Videobesprechungen von überall auf der Welt aus
– übermittelt seine komplette Buchhaltung rein digital
– automatisiert seine Buchhaltung weitestgehend (z.B. Onlinehändler)
– wickelt seine Lohnbuchhaltung online ab
– unterzeichnet seine Jahresabschlüsse online (z.B. Per Handyapp),
– ist es gewohnt zu „duzen“
– und möchten unterjährig schon wissen, wie sie steuerlich „stehen“.

Man sieht daher schnell:
Die Ansprüche der digitalen Mandate ist daher deutlich höher, als bei den rein analogen Mandaten.
Durch die zusätzliche digitale Organisation entstehen beim Steuerberater auch zusätzlich Grundkosten
(Ticketsysteme, digitale Organisationssysteme, höhere Datevkosten, höhere technische Anforderungen an sein Personal, mehr Fortbildungen für die fachlichen Besonderheiten).

Um den Anforderungen der digitalen Mandate gerecht zu werden,
haben wir uns auf eben diese spezialisiert.

 

Welche Herausforderungen wir hierbei zu bewältigen haben:
Welche Erwartungshaltung darf man haben: (8:59)

 

Unterjährige Steuernachzahlungen vermeiden: (2:59)
Bei uns ist nun möglich, bereits unterjährig eine Art „unterjährige Stromablesung“ für seine noch zu leistende Steuerlast erledigen zu lassen. Somit hat man eine Grundlage seine Liquidität im Vorfeld planen zu können.

Hierfür kann jeder Mandant einen Auftrag bei uns erteilen, welcher im Stundenlohn bei uns abgerechnet wird. Erfahrungen haben gezeigt, dass dies meist in Summe für 150 € netto zu ermöglichen ist.

 

Digitale Unterzeichnung von Steuererklärungen: (4:17)

 

Online Händler sind bei uns willkommen! (1:52)

 

Der digitale Pendelordner und die digitale Unterschrift: (1:59)
Smart Login (Handy App). Modernes Verifikationsmedium

 

Mit welchen Schnittstellen wir arbeiten: (2:55)

 

Was sagen Kunden über eine digitale Steuerberatung:
Mir geht es in dem Punkt einfach um Transparenz.
Bislang ist es vielen Mandanten unbekannt, dass man rein digital und ortsunabhängig miteinander arbeiten kann.
Vom Handwerker bis zur Konzernstruktur mit 200 Angestellten; jedes Mandat bekommt trotzdem persönliche Betreuung.

 

Trivari Mediengruppe (2:14)

Paperless GmbH (2:04)

Komplettes Interview mit dem Digital Speaker Thorsten Jekel (49:11)

 

Um unsere Mandanten an alles geschäftlichen Beziehungen partizipieren zu lassen, welche die DHW mit der Zeit eingegangen ist, bieten wir einen kostenlosen Podcast an. (https://digitalfutter.podigee.io/)

 

Wir haben uns dazu entschlossen, auf die normalen „Kennenlern – Gespräche“ zu verzichten,
denn ob Sympathie gegenseitig gegeben ist, merkt man sehr schnell.
Wir behalten es uns vor ausnahmslos die Art von Mandanten anzunehmen, die mit unserem Team kompatibel sind. Hierdurch erreichen wir ein schnelleres Arbeiten auf beiden Seiten und ein stets ausgeglichenes Arbeitsklima.
Neumandatstermine inkl. eines kompletten Quickchecks sind bei uns kostenpflichtig, werden jedoch bei Mandatierung voll angerechnet
https://calendly.com/deak/neumandat

Wir nutzen Neumandatsgespräche daher direkt für ein fachliches Quickcheck – Gespräch.
(Steuerliche Risiken, mögliche Schnittstelleneinrichtung; „Setup“,  sozialversicherungsrechtliche Risiken wie Familienversicherung, Nachzahlungsvermeidung von Steuern und Sozialversicherung, Lieferschwellenüberwachung, uvm.)

 

Besuchen Sie uns auch digital im virtuellen Rundgang:

 

 

Bei Rückfragen hierzu können Sie uns natürlich gerne
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EU-Umsatzsteuerreform: Die innergemeinschaftliche Lieferung als Herausforderung

Liebe Leser und Leserinnen,

heute möchte ich mich zum Thema „Mehrwertsteuerreform“ zurück melden.

Kurzer Exkurs:
Mit dem Zusammenschluss der EU wurde 1993 ein harmonisiertes Umsatzsteuerrecht eingeführt, dass unter anderem die innergemeinschaftlichen Lieferungen behandelt. Dabei sollten diese Vorschriften lediglich als Interimslösung gelten. Rund 25 Jahre später gilt es nun das Umsatzsteuerrecht in der EU zu überarbeiten und mithilfe einer Umsatzsteuerreform für Klarheit bei allen Wirtschaftsbeteiligten zu sorgen. Dabei könnte diese Reform besonders für den Onlinehandel von Bedeutung sein.

Die Herausforderung des europaweiten Umsatzsteuerrechts

Die innergemeinschaftliche Lieferung beschreibt den Prozess des Verkaufs von Ware aus einem EU-Land in ein anderes EU-Land. Während der Staatenverbund an der Stelle auf Zollabgaben verzichtet, ergibt sich an der Stelle die Herausforderung der Umsatzsteuer. So beträgt diese aktuell in Deutschland 19% im Normalsatz (=regulärer Steuersatz). In der restlichen EU bewegt sich der Satz im Übrigen jedoch in einer Varianz von 17% bis zu 27%. Somit ergibt sich hier die Frage, welche Umsatzsteuer anzuwenden ist.

Hierzu wurde im aktuellen Umsatzsteuerrecht das sogenannte Bestimmungslandprinzip beschrieben. Dieses sagt grob zusammengefasst aus, dass die innergemeinschaftliche Lieferung der Besteuerung im Bestimmungsland unterliegt, wenn u.a. der Leistungsempfänger ein Unternehmer ist.

Die Herausforderung der Regelung besteht jedoch in der Unterscheidung von B2B- und B2C-Empfängern. Während die Regelung bei einem B2B-Geschäft eindeutig ist, hilft sich die Regelung bei Lieferungen an private Endkunden mit der Versandhandelsregelung aus ( §3c UStG).

Die innergemeinschaftliche Lieferung zwischen Unternehmen

Ein übliches Handelsgeschäft zwischen zwei Unternehmen wird gemäß dem geltenden Recht im jeweiligen Bestimmungsland besteuert. Dabei wird die grenzüberschreitende Lieferung vom abgehende Staat steuerfrei gestellt. Sie muss im Bestimmungsland als innergemeinschaftlicher Erwerb versteuert werden. Somit unterliegt sie dem dortigen Umsatzsteuersatz – natürlich immer vorausgesetzt, dass der Buch – und Belegnachweis erfüllt ist.

Eine Lieferung von Deutschland in die Niederlande wird also in Deutschland mit 0% Umsatzsteuer besteuert. Der Empfänger der Ware in den Niederlanden muss die innergemeinschaftliche Lieferung aus Deutschland dort mit dem Umsatzsteuersatz von 21% versteuern (der Unternehmer hat dort demnach den innergemeinschaftlichen Erwerb). Der niederländische Unternehmer müsste also in seiner Buchhaltung den steuerfreien Einkaufspreis aus Deutschland buchen.

Als Umsatzsteuerbelastung würden die 21% niederländische Steuer hinzugebucht werden müssen, die gleichermaßen als Vorsteuer aber wiederum geltend gemacht werden können. Hier fehlt es jedoch an der entsprechenden Transparenz, sodass den Finanzverwaltungen Schätzungen zu Folge rund 150 Milliarden Euro an Einnahmen verloren gehen. Fachspezifisch spricht man hier von dem sogenannte Missing Trader Problem, bei dem die steuerfreie Lieferung im Bestimmungsland nicht versteuert wird.

Lieferschwellen bei B2C-Geschäften in der EU

Im Rahmen der Versandhandelsregelung werden alle Lieferungen behandelt, die ausgehend von einem Unternehmen durch eine innergemeinschaftliche Lieferung an einen Privatkunden (und Unternehmen ohne die Pflicht der Durchführung eines innergemeinschaftlichen Erwerbs) in einem anderen EU-Land verbracht werden. Dabei wird die Besteuerung im Ursprungsland vorgenommen bis zu einer sogenannten Lieferschwelle. So fällt es vorzugsweise Onlinehändlern einfacher ihre Produkte auch im EU-Ausland zu vertreiben und zu versenden. Da der Geschäftspartner jedoch ein Endkunde oder Unternehmer ist, der keine Erwerbssteuer im unternehmerischen Sinne geltend macht, wird die Besteuerung im Abgangsland vorgenommen.

Aus dem oben genannten Beispiel würde die innergemeinschaftliche Lieferung (dadurch, dass an einen Endkunden/Privatperson geliefert wird, entfällt der Begriff der „innergemeinschaftlichen Lieferung“) also zu einem Wert zuzüglich der deutsche 19% Mehrwertsteuer in die Niederlande geliefert werden.

Liefert der Unternehmer jedoch über die definierte Lieferschwelle innerhalb eines Geschäftsjahres in ein EU-Land, muss er sich dort steuerlich registrieren und die Steuer des Bestimmungslandes abführen. Die Lieferschwellen betragen dabei uneinheitlich zwischen 35.000€ bis 100.000€. Dies kann fatale Folgen haben, wenn erst im Nachhinein festgestellt wird, dass der Umsatz NICHT in Deutschland (hier wurde er dann bereits besteuert) zu versteuern ist, sondern im anderen EU Land; hier ist direkt eine Doppelbesteuerung gegeben, da die in Deutschland bereits gezahlte Umsatzsteuer nur im EINZELERSTATTUNGSVERFAHREN erstettet werden kann. (siehe hierzu auch den Artikel „Onlinehändler – Chancen und Risiken„)

Die Umsatzsteuerreform mit Auswirkung auf die innergemeinschaftliche Lieferung

Das eine Reform an der Stelle notwendig erscheint, leuchtet aufgrund der geschätzten Steuerausfälle ein. Dabei tendieren die EU-Staaten derzeit zu einem sogenannten One-Stop-Shop (kurz: OSS). Hierbei soll eine zentrale Plattform eingeführt werden, auf der jeder seine steuerpflichtigen innergemeinschaftlichen Lieferungen melden muss. Dabei findet sowohl im B2B- als auch im B2C-Geschäft die Steuer des jeweiligen Abgangslandes Anwendung.

Mithilfe des One-Stop-Shop könnten die derzeit undurchsichtigen und anfälligen Meldeverfahren ersetzt werden. Zudem werden Schlupflöcher gestopft, die für die aktuellen Ausfälle genutzt werden. Eine Besteuerung aus Deutschland in einen anderen EU-Staat soll nach dem Willen der EU-Kommission also jederzeit zur jeweils gültigen Mehrwertsteuer in Deutschland versteuert werden. Die Abgaben dafür werden auf der One-Stop-Shop-Plattform erfasst. Die Einnahmen daraus sollen anschließend nach einem einheitlichen Verteilungsschlüssel zwischen den EU-Staaten verteilt werden.

Notwendige technische Voraussetzungen für das Tracking der Geschäfte

Um Missbrauch vorzubeugen ist es an der Stelle vor allem notwendig die Wirtschaftsbeteiligten eindeutig zu identifizieren. Diese Eindeutigkeit geschieht mithilfe der Umsatzsteuer-Identifikationsnummer. Erst wenn diese auf dem Rechnungsdokument darf seit dem 01.01.2019 eine innergemeinschaftliche Lieferung steuerfrei in einen anderen EU-Staat erfolgen.
Aktuell kann noch keine One-Stop-Shop-Plattform zur Verfügung gestellt werden. Aus diesem Grund geschieht das Abführen der Steuern aktuell noch über die eigene Steuererklärung. Dabei ist eine umfangreiche Dokumentation vorzunehmen.

Grundsätzlich steht es jedem Unternehmen zu, sich als sogenannte zertifizierter Steuerpflichtiger beim Finanzamt zu registrieren. Dieses Zertifikat wird jedoch nur an Unternehmen vergeben, welche keine schwerwiegenden steuerrechtlichen Verstöße begangen haben, den Nachweis über eigene, interne Kontrollsysteme bringen können sowie eine ausreichende Zahlungsfähigkeit nachweisen können. Wer ein solches Zertifikat als zertifizierter Steuerpflichtiger vorweisen kann, genießt Prozessvorteile bei der Dokumentation von innergemeinschaftlichen Lieferungen.

Die Einführung der Umsatzsteuerreform in zwei Schritten

Der erste Schritt der Reform soll bereits am 01.01.2021 in Kraft treten. Betroffen sind in diesem ersten Schritt die Onlinehändler, die ihre innergemeinschaftlichen Lieferungen an B2C-Kunden versenden. Dabei steht vor allem der sogenannte MOSS (Mini-One-Stop-Shop) im Vordergrund sowie eine einheitliche Lieferschwelle von 10.000€. Dabei umfasst die Lieferschwelle den Jahresumsatz für die innergemeinschaftliche Lieferung und so vor allem für Kleinstunternehmen und KMU die Prozesse deutlich vereinfachen.

Wird diese Umsatzgrenze/Lieferschwelle überschritten, sind die entsprechenden Umsätze dem jeweiligen Bestimmungsland zu melden. Vereinfacht wird der Prozess der Steuerabführung hier dann jedoch über den Umstand, dass die Abgaben im Heimatland an das Bundeszentralamt für Steuern abgeführt werden.

Zum Januar 2022 soll dann der zweite Schritt erfolgen, bei dem alle B2B-Lieferungen nach den steuerlichen Vorgaben des Ursprungslandes erfasst werden. Somit ist die innergemeinschaftliche Lieferung nicht mehr steuerfrei. Sie wird durch den Verkäufer im Ursprungsland erfasst und mit dem Steuersatz des Bestimmungslandes ausgestellt. Dabei sollen die Meldungen sowie die Abgaben über das One-Stop-Shop-Portal OSS organisiert werden.

Guter Ansatz für Unternehmen und Steuerberater

Grundsätzlich ist die Überarbeitung des Umsatzsteuerrechts in der EU absolut notwendig. Der Ansatz dabei kleine und mittlere Unternehmen bei der innergemeinschaftlichen Lieferung bis zu einer Lieferschwelle von 10.000€ zu bevorteilen, harmonisiert die aktuelle Lage und sorgt für Prozesserleichterungen.

Mit Blick auf die großen Schritte 2021 (B2C für Onlinehändler) und 2022 (B2B-Lieferungen) sowie dem Zertifikat als „Zertifizierter Steuerpflichtiger“ stehen den Unternehmen diverse Herausforderungen ins Haus wie beispielsweise das Aufsetzen eines internen Kontrollsystems. Gleichermaßen ist es die Aufgabe der EU hier für eine technische Plattform zu sorgen, die eine Umsetzung ermöglicht.

Abseits technischer Fragen, ist die Umsatzsteuerreform für den innergemeinschaftlichen Handel auch im Wettbewerb zu Lieferungen aus Drittländern als gelungen zu bezeichnen.

Gerne bereiten wir Sie auf diesen Umbruch vor und arbeiten gemeinsam mit Ihnen auf die notwendigen Schritte für ein Kontrollsystem sowie das Zertifikat hin. Sprechen Sie uns dazu gerne an.

Bei Rückfragen hierzu können Sie uns natürlich gerne
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